Die Gitarre in Reflections After Jane spielt weniger, als dass sie von der Fensterscheibe zurückgeworfen wird. Ein paar sanfte Akkorde kehren ein wenig später aus dem Hall zurück, als wäre die Musik selbst nicht sicher, ob sie jetzt geschieht oder sich an ihre eigene Vergangenheit erinnert.
Das Stück erschien ursprünglich 1999 als Single und fand später seinen Weg auf Suburban Light, eine Sammlung der ersten Aufnahmen von The Clientele. Damals bestand die Band aus Alasdair MacLean (Gesang, Gitarre), James Hornsey (Bass) und Mark Keen (Schlagzeug). Sie nahmen schlicht auf, mit bescheidener Ausrüstung, ohne ein Produktionsteam, das ihren Klang für sie entwarf.
Die Unvollkommenheit wurde ihr wichtigstes Instrument.
Musik hinter der Fensterscheibe
In Reflections After Jane führt das Schlagzeug das Lied nicht zu einem Ziel. Es geht eher neben ihm her und markiert vorsichtig die nächsten Schritte. Der Bass bewegt sich weich unter der Oberfläche, während MacLeans Gitarre in einem Hall zerfließt, der den Tönen ihre deutlichen Konturen nimmt.
MacLean selbst gab Jahre später zu, dass sein früher Einsatz von Hall teilweise aus Unsicherheit über die eigene Stimme entstand. Ein Effekt, der etwas verbergen sollte, schuf jedoch die ganze Ästhetik von The Clientele. Der Gesang wurde nicht versteckt. Er wurde tiefer in die Aufnahme versetzt, an einen Ort, an dem die Stimme beginnt, einer Erinnerung zu ähneln.
Man hört hier Galaxie 500, die Zartheit von Felt und die Psychedelik der Sechzigerjahre, aber ohne das Prahlen eines Plattensammlers. The Clientele rekonstruieren nicht die Vergangenheit. Sie nutzen ihre Farben, um von einem Moment zu erzählen, der schon während seines Bestehens zu verschwinden beginnt.
Die Melodie entwickelt sich ohne Druck. Es gibt keinen großen Refrain, keinen plötzlichen Anstieg der Lautstärke und keinen Moment, der geschaffen wurde, um den Hörer sofort festzuhalten. Dafür gibt es Regen, Morgenlicht, Menschen, die über eine Brücke gehen, und Jane, die mehr als Spur denn als Hauptfigur existiert.
Dieses Lied beschreibt Einsamkeit nicht. Es lässt Platz für sie frei.
Licht im Schaufenster
Acht Jahre später nahmen The Clientele in Nashville das Album God Save the Clientele mit Mark Nevers auf, einem Produzenten aus dem Umfeld von Lambchop. Der Klang wurde sauberer, räumlicher und weniger vom Hallnebel abhängig. Mel Draisey kam zur Band hinzu und spielte Violine und Tasteninstrumente.
In Bookshop Casanova weicht die Gitarre nicht mehr vor dem Hörer zurück. Sie wiederholt ein kurzes, entschlossenes Motiv, während das Schlagzeug einen Rhythmus baut, der den Körper wirklich in Bewegung bringen will. Draiseys Streicher dienen hier nicht dazu, Ernsthaftigkeit hinzuzufügen. Sie erscheinen leicht und federnd und betonen den Flirt, der in der Melodie steckt.
Das ist noch immer The Clientele, nur erfüllt der Hall nicht mehr die Funktion eines Vorhangs.
Statt der Melancholie von Galaxie 500 ist man hier den weniger offensichtlichen Winkeln der Platten von Love und The Zombies näher, wo Eleganz psychedelische Unruhe nie ausschloss. Das Lied hat einen fast tanzbaren Puls, doch unter seiner Helligkeit bleibt die für die Band typische Vorahnung, dass die Nacht gleich enden wird.
Der Casanova des Titels erobert also nicht die Stadt. Er versucht nur, drei Minuten und ein paar Dutzend Sekunden lang an seinen eigenen Charme zu glauben. Eine Buchhandlung ist der passende Ort für einen solchen Aufreißer. Selbst sein Selbstbewusstsein sieht aus, als wäre es zuvor angelesen worden.
Zwei Strategien der Einsamkeit
Reflections After Jane und Bookshop Casanova trennen acht Jahre, ein anderes Studio und eine völlig andere Anordnung der Instrumente. Das erste Stück schließt einen Menschen in weichen akustischen Nebel ein. Das zweite führt ihn auf eine beleuchtete Straße und bietet einen Rhythmus an, bei dem man zumindest so tun kann, als wäre alles einfacher.
Das sind allerdings keine gegensätzlichen Gesichter der Band.
In beiden Liedern wirkt dasselbe Gefühl: der Wunsch nach Kontakt, verbunden mit dem Verdacht, dass jede Nähe vorübergehend sein könnte. Im ersten schützt sich ein Mensch davor in der Erinnerung. Im zweiten versucht er zu tanzen, bevor das Licht erlischt.
Das Schönste an The Clientele ist genau das: Ein verändertes Arrangement entfernt die Melancholie nicht. Es kann sie nur anders beleuchten.
Reflections After Jane ist eine regenbedeckte Fensterscheibe. Bookshop Casanova ist ein Schaufenster, in dem wir für einen Moment unser Spiegelbild zwischen Büchern, Straßenlichtern und dem Gesicht eines Menschen sehen, auf den wir gern zugehen würden.
Zuerst lässt uns der Nebel uns verstecken. Später lernt er tanzen.
Öffne diesen Text in der Tony-Muzyki-App. Wähle eine Sprache und entdecke weitere Artikel.













Kommentare
0